Irritation

Skripnik bleibt Trainer. Soweit überrascht diese Personalie an sich ja nun wohl keinen mehr. Am Freitag dann die Gewissheit durch Frank Baumann, dass Skripnik nicht nur Trainer bleibt, sondern dass darüber hinaus auch noch sein Vertrag bis 2019 verlängert werden soll. Für sich genommen ein sehr starkes Signal von Baumann, dass er dem Trainer vertraut. Das Ziel ist klar: jegliche weitere Trainerdiskussion zu vermeiden. Skripnik wird ein bisschen aus dem Fokus der Medien genommen.

Aber wird er das wirklich? Baumann hat in der gleichen Pressekonferenz auch ziemlich deutlich angesprochen, wo Skripnik Defizite hat. In einer Art und Weise, die sehr offen und direkt ist und die man eher mit einer Demission denn mit einer Verlängerung verbindet.

Es wurden Defizite angesprochen, die offensichtlich waren, das ist schon mal gut. Aber die Schlussfolgerung, dass Skripnik der „bestmögliche Trainer für Werder“ sein soll – bei all diesen Defiziten, irritiert mich. Ein Trainer, der es in anderthalb Jahren nicht geschafft hat, eine Mannschaft zu entwickeln soll der bestmögliche Trainer für Werder sein? Ein Trainer, der mit dem wahrscheinlich stärksten Kader der letzten 4 Jahre es schafft, sich 2 Minuten vor Ende der Saison zu retten, soll der bestmögliche Trainer für Werder sein? Kann man so sehen, muss man aber nicht.

Diese Aussage entsetzt mich gelinde gesagt. Überraschend war sie zwar nicht, aber ich finde sie von Grund auf falsch.

Aber mich überrascht etwas anderes: Baumann verknüpft direkt zu Anfang seiner Werder-Tätigkeit sein Schicksal schon fast symbiotisch mit dem von Viktor Skripnik. Er stärkt ihm demonstrativ den Rücken, um jedem zu zeigen, dass Werder vollkommen überzeugt ist von Skripnik. Skripnik wird sich den Kader so zusammen stellen können, wie er es möchte, denn durch die zu erwartenden Verkäufe und dem wirtschaftlichen Ergebnis des letzten Jahres wird Werder investieren können (und müssen). Es wird also ein von Skripnik geprägter Kader werden. Er hat die Unterstützung der Vereinsführung, die Fans sind weitestgehend „auf Linie“. Bessere Voraussetzungen kann er also nicht haben.

Was ist aber, wenn Werder nach dem ersten Drittel der Saison wieder da steht wie letztes Jahr? Wenn automatisch die Trainerdiskussion beginnt? Wenn es sogar bedrohlich wird, weil immer noch keine Entwicklung zu erkennen ist? Wie wird Baumann dann reagieren? Wird er dann den „bestmöglichen Trainer für Werder“ ersetzen? Oder wird noch mal eine Saison volles Risiko gegangen in der Hoffnung, irgendwie dem Tod von der Schippe zu springen, nur, um den ehemaligen Mitspieler und dem Familienmitglied weitere Chancen einzuräumen?

Was ist, wenn Skripnik nicht liefert? Dann müssen zwangsläufig Köpfe rollen. Und ob dann Baumann ohne Schaden aus der Nummer raus kommt? Das wird eine spannende Frage.

Die Weichen des Werder-Wegs mit Skripnik sind gestellt. Die Erwartungshaltungen sind klar formuliert. Ich bin gespannt, ob sie erfüllt werden und wie man sich im Falle des Nichterfüllens die dann eingebrockte Scheiße noch schön redet.

Er bleibt

Die Bild-Zeitung meldet: Entscheidung steht! Skripnik bleibt Trainer. Nach der Demission von Eichin meines Erachtens die nächste kolossale Fehlentscheidung der Familie.

„Ein Rauswurf Skripniks stand für Werder also nie zur Debatte“ – wenn dem wirklich so ist, dann war die Entlassung Eichins natürlich folgerichtig. Dann frag ich mich allerdings, warum man jetzt Baumann braucht. Der Aufsichtsrat hat doch eigentlich die Aufgabe, das operative Geschäft zu beaufsichtigen (daher ja auch der Name). Und das operative Geschäft ist Aufgabe der Geschäftsführung (daher ja auch der Name). Wenn jetzt der Aufsichtsrat sich aber entscheidet, dem Geschäftsführer Sport in die Befugnisse zu schneiden, dann brauche ich auch keinen Geschäftsführer Sport mehr.

Damit ist aber auch die Personalie Baumann endgültig geklärt. Er soll bewahren, er soll beschützen, er soll gar kein eigenes Profil und kein eigenes Konzept haben. Es geht einzig und alleine darum, den Sumpf schön feucht zu halten und den Filz weiter zu stärken.

Dass man eine weitere Saison mit Skripnik startet, halte ich für äusserst gefährlich. Aber scheinbar ist der Werder-Weg der, dass man alten Weggefährten lieber ihre Aufgaben belässt, als so neutral wie möglich die Arbeit zu beleuchten und zu dem Schluss zu kommen, dass sie nicht gut war.

Der unhaltbare Skripnik

Präambel: ich mag den Menschen und den Typen Skripnik. Er ist in seiner Art authentisch und auch sympathisch. Ich mochte ihn schon als Spieler und ich erkenne an, dass er jahrelang Werder die Treue gehalten hat. Es geht in dem nun folgenden Text lediglich um die Bewertung seiner Arbeit als Trainer.

Eine der ersten Amtshandlungen Frank Baumanns müsste in dieser Woche eigentlich die Demission Viktor Skripniks sein. Nicht nur, um seine eigene Position zu finden (davon an anderer Stelle bald mehr), sondern, um Werder zu schützen.

Skripnik ist aus meiner Sicht aus verschiedenen Gründen nicht mehr haltbar und sollte ersetzt werden. Ein Trainerwechsel jetzt erspart meines Erachtens dem Verein in der kommenden Saison viel Leid und Sorge. Ob dies mit einem neuen Trainer besser werden würde? Das weiß man nie im Vorfeld. Aber ob man mit Skripnik eine bessere Saison hinbekommt? Das wage ich doch sehr zu bezweifeln.

Skripnik und die Mannschaft: hier scheint es Unstimmigkeiten zu geben. Offiziell stellt sich die Mannschaft – vor allem seine ehemaligen Mitspieler Fritz und Pizarro – deutlich hinter ihn. In verschiedenen Medien war aber davon zu lesen, dass im Saisonendspurt die Mannschaft Skripnik quasi entmachtet hat und Training, Trainingslager (angeblich gewünscht vom Team), Aufstellung und Taktik selber festgelegt hat. Wenn dem wirklich so war, dann kann die logische Konsequenz nur sein: Skripnik ist gegenüber der Mannschaft eine sogenannte „lame duck“.

Skripnik und die Medien: das Verhältnis von Skripnik zu den Medien ist seit längerer Zeit – sagen wir – angespannt. Er ist vielleicht das eine oder andere mal durch seine Art angeeckt, hat mehrfach Sachen gesagt, die man besser so nicht gesagt hätte. Kann man alles noch damit erklären, dass sein Deutsch nicht das Beste ist, dass er eben „so ist“ und dass man nicht alles auf die Goldwaage legen sollte. In der heutigen Zeit wird aber alles auf die Goldwaage gelegt und da muss sich Skripnik einfach sagen lassen, dass er da tatsächlich einige ziemliche Böcke in der Kommunikation hatte. Darüber hinaus ist er die Medien mehr als einmal auch ohne Not angegangen. Eine wirklich innige Beziehung wird es nicht mehr – braucht es aber eigentlich auch nicht, wenn denn Erfolg da wäre.

Skripnik und die Taktik: Skripnik-Befürworter führen gerne an, dass Werder ja gegen Bayern, im Pokal, in Dortmund, in Gelsenkirchen gut gespielt hätte und man mit Rückrundentabellenplatz 8 ja durchaus im Soll lag. Ja, gegen diese Teams und im Pokal hat man gut gespielt. Aber das alleine macht keine gute Saison. Und auch keine Taktik. Über die gesamte Saison hinweg hat es Skripnik nicht geschafft, gegen die „Mitbewerber“ eine gute Taktik bzw. der Mannschaft einen Matchplan zu geben. Die Spiele in der Hinrunde gegen Ingolstadt, Darmstadt, Hannover waren eine absolute Frechheit (die picke ich raus, weil ich sie auch noch live im Stadion gesehen habe). Wenn eine Mannschaft mitgespielt hat, war Werder gut (oder wenn Werder musste). Gegen eine Mannschaft, die abwartete, hat Werder mit schöner Regelmäßigkeit versagt. Absolut unverständlich. Als leuchtende Beispiele mögen die beiden Nordderbies herhalten: Taktik und Einstellung in beiden Spielen mangelhaft. Der HSV hatte jedes Mal mehr Griff, mehr Taktik und auch mehr Biss als Werder und hat so zwei Mal vollkommen gerechtfertigt gewonnen.

Skripnik und die Einstellung: Momentum gab es bei Werder diese Saison genug, um Serien zu starten oder Schwung zu nutzen oder was auch immer. Ich erinnere mich an den Auswärtssieg in Hoffenheim. Piza-Verpflichtung, in der Nachspielzeit das Spiel gewonnen und drei vermeintlich leichte Spiele vor sich. Nutzt man das Momentum, läuft die Saison mit Sicherheit anders. Was kommt? Drei Niederlagen. Pokalspiel in Mönchengladbach. Werder spielt begeisternden Fussball. Was passiert in der Liga? Nix. Pokalspiel in Leverkusen. Werder spielt begeisternden Fussball. Was passiert in der Liga? Nix. Werder gewinnt in der Liga in Leverkusen. Danach? Nix. Und so weiter und so fort. Mehr als einmal hat man gedacht: jetzt hat Werder es begriffen, jetzt spielt Euch doch mal in eine Serie. Jedes Mal wurde man enttäuscht. Und das ist eindeutig ein Trainerfehler. Wenn Skripnik den richtigen Plan hatte, hat er den nicht an die Mannschaft kommuniziert bekommen (schlecht) oder die Mannschaft hat sich nicht dran gehalten (noch schlechter). Wenn Skripnik nicht den richtigen Plan hatte ist es an sich ein Armutszeugnis. Skripnik hat es meines Erachtens einfach nicht geschafft, die Mannschaft über die Saison hinweg gut einzustellen. Dass es immer mal wieder Aussetzer gibt, geschenkt. Aber die Aussetzer waren eben zu häufig.

Skripnik und die Gegentore: natürlich, der Trainer kassiert die Gegentore nicht. Ja, auch Schaaf in seiner Endzeit und auch Dutt haben es nicht geschafft, die Defensive zu stabilisieren. Aber nur, weil seine Vorgänger versagt haben, heißt es nicht, dass man Skripnik dies nicht auch vorhalten kann. Bei Dutt gab es eine Phase, da war es schwer, gegen Werder ein Tor zu schießen (obwohl Wolf im Tor stand). Da war das Problem, dass die Mannschaft nach dem ersten Gegentor auseinander gebrochen ist. In der vergangenen Saison war es obligatorisch, gegen Werder ein Tor zu schießen (bezeichnend, dass Werder in der Liga nur in den letzten beiden Spielen ohne Gegentor blieb). Am Personal lag es nicht. Jeder einzelne für sich ist ein guter Spieler, was er in anderen Vereinen schon nachgewiesen hat. Da frage ich mich: warum schafft es Skripnik nicht, hier Stabilität rein zu bringen? Sich darauf zu verlassen, dass man vorne ja schon trifft, ist eine spannende Idee, wirkt aber nicht mehr so richtig. Die alte Aussage, dass der Angriff Spiele gewinnt, die Defensive Meisterschaften, ist einfach immer noch und immer wieder aktuell.

Skripnik und die Jugend: der Werder-Weg, der Werder-Weg. Ein Wort, welches mir genauso aus den Ohren heraushängt wie „Umbruch“. Als Skripnik angefangen hat, war eine seine Aussagen sinngemäß, dass er auch dem Nachwuchs eine Chance geben sollte. In der ersten Saison hat er Selke zum Stammspieler gemacht, in dieser Saison Grillitsch. Das ist ok. Aber sonst? Viele der Nachwuchsspieler haben kaum eine Chance bekommen. Maxi Eggestein? Zwei Spiel von Beginn an, war öfters im Kader, wurde nur selten eingewechselt. Fröde? Haacke? Jo Eggestein? Zander? Hüsing? Lorenzen? Es gab genug U23-Spieler, denen man durchaus die Möglichkeit geben wollte, sich in der Bundesliga zu beweisen. Wirkliche Chancen haben sie nicht bekommen. Stattdessen durften formschwache Spieler immer und immer wieder ran. Hätte Skripnik konsequent dem Nachwuchs eine Chance gegeben und wären die Spiele dann so schlecht gewesen und die Saison so gelaufen, wie sie gelaufen ist, dann hätte ich dafür vollstes Verständnis gehabt. So aber nicht.

Skripnik und der Plan: wofür steht Werder fussballerisch? Na? Genau. Für nix. Werder ist fussballerisch vollkommen ersetzbar gewesen. Eine Spielphilosophie? Fehlanzeige. Selbst Augsburg, Ingolstadt, Darmstadt haben fussballerisch ein klares Profil (ob man das nun als Ästhet gut findet oder nicht, ist eine andere Diskussion). Mainz sowieso. Aber wofür steht Werder? Man weiß es nicht. Für was steht Skripnik fussballerisch? Nicht, wofür er stehen will, sondern wofür er tatsächlich steht. Für nix. Was man aus einem ordentlichen Kader mit einem Plan herausholen kann, hat diese Saison Hertha gezeigt. Davor das Jahr war es Augsburg, dann man Frankfurt. Es gab in den letzten Jahren immer eine Überraschungsmannschaft, die sich oben festgesetzt hat. Und in keinem Fall war der Kader wirklich stärker als der von Werder. Aber die Trainer hatten einen Plan. Dardai diese Saison hatte einen Plan. Und der ist aufgegangen. Hatte Skripnik einen Plan? Man weiß es nicht. Aber dass man alleine schon diese Frage stellen muss: schlimm.-

Skripnik und der Anspruch: Eichin hat vor der Saison gesagt, dass das Saisonziel sei, irgendwo zwischen 6 und 9 zu landen und so lange wie möglich die Chance zu haben, europäisch zu spielen. Eichin hat eigentlich nie aussergewöhnliches gefordert oder irgendetwas vollkommen unrealistisch eingeschätzt. Auch viele Experten haben Werder irgendwo im gesicherten Mittelfeld gesehen. Der Kader war und ist auf jeden Fall stark genug dafür. Auf jeden Fall ist er zu stark für den Klassenerhalt 2 Minuten vor Ende der Saison. Bis auf Johannsson und Bargfrede gab es kaum schwere Verletzungen. Wenn man da den Anspruch und die Wirklichkeit gegeneinander setzt, muss man sagen: Skripnik hat versagt.

Skripnik und das Fazit: was bleibt ist, dass Skripnik bis jetzt einer der schlechtestens (vom Punkteschnitt) Trainer der Werder-Historie ist. Die Heimbilanz bis auf die letzten drei Spiele? Desaströs. Werder hat den Klassenerhalt nicht geschafft, weil sie so gut waren, sondern weil Hannover, Stuttgart und im Endeffekt auch Frankfurt noch schlechter waren als Werde. Eine Spielerentwicklung und die Entwicklung einer Spielphilosophie ist nicht erkennbar.

Skripnik ist krachend gescheitert. Deshalb bleibt meines Erachtens für Frank Baumann nur eins: einen Trainerwechsel.

Der blasse Bode

Marco Bode war schon zu seiner aktiven Zeit ein eher ruhiger und besonnener Zeitgenosse – zumindest wurde er so (auch von mir) wahrgenommen. Ein Mensch, den so schnell öffentlich nichts aus der Ruhe bringt. Emotionalie Ausbrüche bei Bode? Eher unvorstellbar.

Seit knapp anderthalb Jahren leitet Bode nun die Geschicke des Aufsichtsrat bei Werder. Als Nachfolger von Don Willi Corleone. Bei seinem Amtsantritt hofften viele Werder-Fans (das war damals meine Wahrnehmung und auch meine Hoffnung), dass sich Bode recht schnell von Don Willi emanzipieren würde und ein Gegengewicht mit hoher fussballerischer Expertise bilden könnte. Die Expertise hat Bode sicher in das Gremium gebracht, ein Gegengewicht stellt er seit seiner Berufung nicht dar. Im Gegenteil.

Die größten Auftritte hatte Bode in Zusammenhang mit Thomas Eichin. Der erste große Auftritt war die Vertragsverhandlung und -verlängerung im vergangenen Jahr (nach längerem, auch medialen Hin und Her) sowie die Entlassung Eichins im Mai. Ansonsten hält er sich ja weitestgehend aus der Öffentlichkeit zurück.

Nun gab es in der vergangenen Woche eine Pressekonferenz zur Demission Eichins. Und da hat Bode meines Erachtens eine grauenhafte Vorstellung abgeliefert.

Er redet in der ganzen Pressekonferenz von „Werder-Weg“, von „unserem Weg“ und davon, dass er (bzw. das Gremium oder vielleicht Don Willi?) der Meinung war, dass man einen „anderen Weg“ gehen wollte als Thomas Eichin. Auf mehrfache Rückfrage der anwesenden Journalisten gab es nicht einen einzigen, konkreten Hinweis darauf, wie denn der Weg aussehen würde. Ein Aufsichtsratsvorsitzender, der auf Nachfrage nicht anfängt, leidenschaftlich über den „Werder-Weg“, die Vision, wo man als Verein hinmöchte anfängt zu erzählen? Finde ich mehr als seltsam. Den Hinweis darauf, dass das alles ja Frank Baumann erklären darf, der seinen „Weg“ vorstellen wird? Katastrophal. Warum? Weil der Eindruck entsteht, dass Bode ahnungslos ist.

Natürlich verstehe ich, dass man Baumann sich selber erklären will. Aber das „Big Picture“ von Werder wird Bode doch wohl zeichnen können. Vielleicht nicht detailliert, aber wenigstens so darstellen, dass man sich Gedanken machen kann, warum man der Meinung war, dass die Zusammenarbeit mit Eichin nicht mehr möglich war. Erschreckendes Bild, was der Aufsichtsratsvorsitzende da abgeht. Da hilft auch alle Eloquenz nichts.

Interessant finde ich auch, dass Bode die Trainerfrage in Richtung Baumann schiebt und ihm die Aufgabe gibt. Interessant deshalb, weil es angeblich in Baumanns Aufgabenbereich fällt (vollkommen richtig), Eichin scheinbar diese Kompetenz nicht hatte (siehe dazu verschiedene Medienberichte, dass der Aufsichtsrat Eichin eingebremst haben soll, Skripnik zu entlassen).

Unwürdig ist diese Aussage in Richtung Viktor Skripniks. Bode lässt Skripnik im Regen stehen und die Presse und die Öffentlichkeit (und auch die „Branche“) weiter über seine Zukunft spekulieren. Gerade jetzt, wo es darum geht, die Kaderplanung anzuleiern, darum, mit Spielern und Beratern zu sprechen, ist es nicht klar, wie es mit Skripnik weitergeht.

Aber ist es das? Meines Erachtens ist man sich schon klar, wie es weitergehen soll (wobei zu hinterfragen ist, wer „man“ ist) – aber egal, wie die Zukunft Skripniks aussieht, hat er es nicht verdient, so im Feuer zu stehen. Und dafür hat Bode mit seiner PK gesorgt. Eine klare Aussage wäre hier angebracht gewesen. Entweder: „wir machen weiter mit Skripnik“ oder „wir machen nicht weiter mit Skripnik“ oder aber auch „ich verbitte mir von Euch, dass Ihr weiter über den Trainer schreibt“ (dass sich das die Presse nicht gefallen lässt, ist klar. Wäre aber mal eine sehr gute Aussage gewesen).

In dieser Pressekonferenz hätte Bode die Chance gehabt, sein Profil zu schärfen. Hat er nicht geschafft. Vielleicht, weil er kein Profil hat? Oder weil er es nicht will? Ich finde es schade, dass Werder und der Aufsichtsrat nicht besser präsentiert hat.

Vom Mohr und seiner Schuldigkeit

Nach der Entlassung Eichins kamen in diversen Diskussionen, Gesprächen in der Realität und in sozialen Medien noch weitere Aspekte, die ich ganz interessant finde.

Hat der Mohr seine Schuldigkeit getan? Werder schreibt dieses Jahr das erste Mal seit längerer Zeit wieder schwarze Zahlen. Das Gehaltsgefüge im Profikader ist auf ein erträgliches Maß geschrumpft, Werder hat – auch durch den sportlichen Erfolg im DFB-Pokal sowie durch zu erwartende Transfereinnahmen scheinbar finanziellen Spielraum. Es sieht also finanziell so gut aus wie seit der Champions League nicht mehr. Zeit genug, um sich zurück zu lehnen? Den unangenehmen und unbequemen Konsolidierungskurs verlassen? Auch aus der sozialen Verantwortung den eigenen Mitarbeitern gegenüber? Vielleicht aber auch, um dem Aufsichtsrat (oder anderen Vereinsmitarbeitern) die Möglichkeit zu geben, weiterhin auf Kosten von Werder zu leben? Wurde Eichin einfach zu unbequem?

Eichin war und ist ein unbequemer Typ und eine starke Persönlichkeit. Das hat man in seiner Zeit in Bremen gemerkt und gelernt. Das war aber auch keine Überraschung. Ein solcher „Hands-up“-Typ wurde in Bremen gebraucht, um Werder auf Kurs zu bringen. Das wusste auch der Aufsichtsrat, der damals Eichin eingestellt hat. Eichin hat sich in den letzten Jahren äusserst stringent verhalten und seine Linie durchgezogen. Er hat sich gerne von der Werder-Familie distanziert. Um eben möglichst emotionslos unangenehme Sachen durchzuziehen. Es war aber auch nicht sein Job, everybody’s darling zu sein.

Der Aufsichtsrat wusste also, was er repräsentiert und was er für eine Persönlichkeit ist. Das wusste man schon vor der Verpflichtung von Eichin. Man hatte doch mit einer Personalberatung zusammen gearbeitet, man hat Gespräche geführt. Man kannte seine Art und Persönlichkeit. Wenn man dann bedenkt, dass Bode bei der PK zur Trennung sagte, dass es unterschiedliche Auffassungen zur weiteren Entwicklung gegeben hat (was noch an anderer Stelle zu diskutieren ist), dann frage ich mich, warum hat man im vergangenem Jahr überhaupt noch den Vertrag verlängert? Auch damals hat man sich wohl schon über die mögliche, weitere Entwicklung von Werder, die Vorstellungen von Aufsichtsrat und Eichin ausgetauscht. Gehen diese Vorstellungen innerhalb von 6-9 Monaten auf einmal soweit auseinander, dass man deshalb eine Trennung herbei führen muss?

Oder hat der Mohr doch einfach seine Schuldigkeit getan?

Auf Wiedersehen, Thomas Eichin

Nach dem geglückten Klassenerhalt war klar, dass personell etwas passieren musste. Die Medien waren sich sicher, dass entweder Skripnik oder Eichin gehen muss. Skripnik wegen der doch eher übersichtlichen Leistung der Mannschaft oder Eichin, weil er auch nach drei Jahren immer noch in Bremen fremdelte.

Wenn man Werder kennt, fiel die Entscheidung wenig überraschend aus. Heute wurde die Trennung von Thomas Eichin bekannt gegeben. Meiner Meinung nach wird dies eine der größten personellen Fehleinschätzungen der letzten 20-30 Jahre sein.

Auch wenn das Kapitel Eichin erledigt ist, möchte ich seine Arbeit der letzten drei Jahre einmal beleuchten.

Ich war anfangs ein sehr großer Fan von Eichin. Smart, kann sich verkaufen und vor allem: er hatte einen Plan. Und noch einen ganz großen Vorteil: er hatte keinerlei Stallgeruch, hatte also gar keine Verbindung und keinen Bezug zur viel gerühmten und oft beschworenen Werder-Familie.

Sein Auftrag war klar: das schlingernde Werder-Schiff wieder auf Kurs bringen, klare Konsolidierung. Und das gelang ihm in den vergangenen drei Jahren sehr gut. Die größten Gehaltssünden wurden korrigiert, die meisten Transfers saßen, auch auf der Ablöseseite konnte er Werder gut aufstellen. Allerdings gab es immer wieder Gerüchte, dass die Transfers mehr auf dem Mist von Rouven Schröder wuchsen. Wenn man bedenkt, dass die Transfers vor Schröder nicht unbedingt trafen (Makiadi, Obraniak), dann mag an den Gerüchten sicher etwas dran sein.

Nichts desto trotz fällt in Eichins Verantwortung, dass die wirtschaftliche Stabilität wieder da ist und dass die Mannschaft nominell so stark ist, wie schon lange nicht mehr (warum man im Zuge der wirtschaftlichen Konsolidierung nicht von Filbry spricht, wird noch später zu beleuchten sein).

Mit seiner Art hat er sich allerdings nie viele Freunde gemacht – was aber bei seiner Aufgabe auch nicht zwingend nötig ist. Vielfach wurde ihm nachgesagt, dass er unterkühlt, arrogant aber auch ignorant sei. Was davon stimmt? Ich weiß es nicht. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass dies durchaus auch der Wahrheit entspricht.

Dass ein „Unternehmen“ (was Werder ja ist) wie Werder übermäßig viele Mitarbeiter beschäftigt, mutet seltsam an – hat aber auch mit der Vergangenheit und einer gewissen sozialen Verantwortung zu tun. Schlicht: man muss sich diese Mitarbeiter auch leisten können. Werder konnte dies in den letzten Jahren nicht. Aus diesem Grund fing Eichin an, sukzessive auch hier zu reformieren – ich erinnere mich sogar an eine Anekdote, dass man auf der Geschäftsstelle nur noch zweilagiges Toilettenpapier anstatt dreilagiges Papier benutzte.

Eichin wollte Werder einmal auf links drehen – meines Erachtens zurecht und absolut notwendig. Und hat sich dadurch den einen oder anderen mächtigen Feind gemacht. Was ihm im Endeffekt zum Verhängnis wurde.

Sein Verzicht auf ein Profiscouting: finde ich persönlich eine fatale Entscheidung. In der heutigen Zeit kann Werder nur bestehen, in dem man kreativ scoutet. Unter Kostenaspekten war dies durchaus nachzuvollziehen.

Ein weiterer großer Fehler, den er meines Erachtens gemacht hat ist, dass er es nicht geschafft hat, den Vertrag von Johannes Eggestein zu verlängern. Zwar gibt es noch keine Wasserstandsmeldung, dass er wirklich den Verein verlässt, aber sollte Eggestein Werder verlassen, wäre das ein absolut unnötiger Abgang und Werder würde wahrscheinlich eine potentielle Mega-Ablöse flöten gehen, der Werder sicher saniert hätte.

Nun beginnt also die Ära Baumann in Bremen. Ich bin sehr skeptisch, dass diese Ära für den Verein erfolgreich sein wird. Ich hoffe, mein Gefühl trügt mich.

Mir bleibt an dieser Stelle nur, Eichin für seine Arbeit zu danken und ihm alles Gute für die Zukunft zu wünschen. Ich bin mir sicher, dass seine Vision von Werder die zukunftssichere gewesen wäre. Aber das werden wir wohl nie erfahren.

Das neue Werder-Exil

Es muss ungefähr sieben Jahr sein, als ich den ersten Content auf dieser Webseite geschrieben und veröffentlich habe. Irgendwann im Laufe der Saison 2008/2009. In den folgenden Jahren habe ich mit mal mehr, mal mit weniger Enthusiasmus gebloggt. Oft positiv, oft negativ, aber immer grün-weiß.

In den letzten Monaten hat mich eine massive Blog-Müdigkeit befallen. Werder gab mir nun auch nicht unbedingt den Anlass, mit Spass und Freude zu bloggen.

Dann ergab sich, dass Werder-Exil häufiger gehackt wurde und dementsprechend oft von meinem Hoster suspendiert war. In diesen Momenten entwickelte sich der Gedanke, einmal „alles Neu“ zu machen. Dieser Gedanke manifestierte sich immer stärker bis zum vergangenen Wochenende. Während des letzten Spieltags der Saison 2015/2016 habe ich Werder-Exil komplett gelöscht.

Um es nun wieder neu zu starten. Werder macht mich in den letzten Monaten wütend. Werder enttäuscht mich. Es läuft meines Erachtens sehr viel falsch beim ruhmreichen SVW. Soviel, dass ich mich entschieden habe, diese Fehler zu beleuchten und zu hinterfragen.

Manch einer mag mich als „Nestbeschmutzer“ titulieren. Damit kann ich leben. Ich weiß schon jetzt, dass mehr als einmal kommen wird „dann geh halt zum HSV (oder Bayern oder was weiß ich)“. Nein, das werde ich nicht. Ich bin seit 1981 Werder-Fan, habe viel positives miterlebt, habe viel negatives miterlebt, ich war immer grün-weiß und werde immer grün-weiß bleiben.

Mir liegt Werder am Herzen. Mehr, als ich es mir eingestehen will. Und genau das ist der Grund: ich will und ich kann nicht mehr tatenlos zusehen, wie der Verein meines Herzens sehenden Auges (zumindest aus meiner Wahrnehmung) in den Abgrund gesteuert wird.

Es gibt viele Baustellen: Mannschaft, Trainer, Geschäftsführung, Aufsichtsrat, Umfeld. Alle müssen sich kritisch hinterfragen und sich hinterfragen lassen. Dies werde ich tun.

Ich wünsche mir nichts mehr als Erfolge mit Werder zu feiern. Allein, mir fehlt im Moment der Glaube, dass dies bald wieder geschehen wird.

Heute ist ein guter Tag, mit dem neuen Werder-Exil zu beginnen: heute wurde Thomas Eichin entlassen und Frank Baumann als neuer Geschäftsführer Sport vorgestellt.

Ich freue mich auf offene, sachliche und konstruktive Diskussionen.