Vom Mohr und seiner Schuldigkeit

Nach der Entlassung Eichins kamen in diversen Diskussionen, Gesprächen in der Realität und in sozialen Medien noch weitere Aspekte, die ich ganz interessant finde.

Hat der Mohr seine Schuldigkeit getan? Werder schreibt dieses Jahr das erste Mal seit längerer Zeit wieder schwarze Zahlen. Das Gehaltsgefüge im Profikader ist auf ein erträgliches Maß geschrumpft, Werder hat – auch durch den sportlichen Erfolg im DFB-Pokal sowie durch zu erwartende Transfereinnahmen scheinbar finanziellen Spielraum. Es sieht also finanziell so gut aus wie seit der Champions League nicht mehr. Zeit genug, um sich zurück zu lehnen? Den unangenehmen und unbequemen Konsolidierungskurs verlassen? Auch aus der sozialen Verantwortung den eigenen Mitarbeitern gegenüber? Vielleicht aber auch, um dem Aufsichtsrat (oder anderen Vereinsmitarbeitern) die Möglichkeit zu geben, weiterhin auf Kosten von Werder zu leben? Wurde Eichin einfach zu unbequem?

Eichin war und ist ein unbequemer Typ und eine starke Persönlichkeit. Das hat man in seiner Zeit in Bremen gemerkt und gelernt. Das war aber auch keine Überraschung. Ein solcher „Hands-up“-Typ wurde in Bremen gebraucht, um Werder auf Kurs zu bringen. Das wusste auch der Aufsichtsrat, der damals Eichin eingestellt hat. Eichin hat sich in den letzten Jahren äusserst stringent verhalten und seine Linie durchgezogen. Er hat sich gerne von der Werder-Familie distanziert. Um eben möglichst emotionslos unangenehme Sachen durchzuziehen. Es war aber auch nicht sein Job, everybody’s darling zu sein.

Der Aufsichtsrat wusste also, was er repräsentiert und was er für eine Persönlichkeit ist. Das wusste man schon vor der Verpflichtung von Eichin. Man hatte doch mit einer Personalberatung zusammen gearbeitet, man hat Gespräche geführt. Man kannte seine Art und Persönlichkeit. Wenn man dann bedenkt, dass Bode bei der PK zur Trennung sagte, dass es unterschiedliche Auffassungen zur weiteren Entwicklung gegeben hat (was noch an anderer Stelle zu diskutieren ist), dann frage ich mich, warum hat man im vergangenem Jahr überhaupt noch den Vertrag verlängert? Auch damals hat man sich wohl schon über die mögliche, weitere Entwicklung von Werder, die Vorstellungen von Aufsichtsrat und Eichin ausgetauscht. Gehen diese Vorstellungen innerhalb von 6-9 Monaten auf einmal soweit auseinander, dass man deshalb eine Trennung herbei führen muss?

Oder hat der Mohr doch einfach seine Schuldigkeit getan?

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