Der blasse Bode

Marco Bode war schon zu seiner aktiven Zeit ein eher ruhiger und besonnener Zeitgenosse – zumindest wurde er so (auch von mir) wahrgenommen. Ein Mensch, den so schnell öffentlich nichts aus der Ruhe bringt. Emotionalie Ausbrüche bei Bode? Eher unvorstellbar.

Seit knapp anderthalb Jahren leitet Bode nun die Geschicke des Aufsichtsrat bei Werder. Als Nachfolger von Don Willi Corleone. Bei seinem Amtsantritt hofften viele Werder-Fans (das war damals meine Wahrnehmung und auch meine Hoffnung), dass sich Bode recht schnell von Don Willi emanzipieren würde und ein Gegengewicht mit hoher fussballerischer Expertise bilden könnte. Die Expertise hat Bode sicher in das Gremium gebracht, ein Gegengewicht stellt er seit seiner Berufung nicht dar. Im Gegenteil.

Die größten Auftritte hatte Bode in Zusammenhang mit Thomas Eichin. Der erste große Auftritt war die Vertragsverhandlung und -verlängerung im vergangenen Jahr (nach längerem, auch medialen Hin und Her) sowie die Entlassung Eichins im Mai. Ansonsten hält er sich ja weitestgehend aus der Öffentlichkeit zurück.

Nun gab es in der vergangenen Woche eine Pressekonferenz zur Demission Eichins. Und da hat Bode meines Erachtens eine grauenhafte Vorstellung abgeliefert.

Er redet in der ganzen Pressekonferenz von „Werder-Weg“, von „unserem Weg“ und davon, dass er (bzw. das Gremium oder vielleicht Don Willi?) der Meinung war, dass man einen „anderen Weg“ gehen wollte als Thomas Eichin. Auf mehrfache Rückfrage der anwesenden Journalisten gab es nicht einen einzigen, konkreten Hinweis darauf, wie denn der Weg aussehen würde. Ein Aufsichtsratsvorsitzender, der auf Nachfrage nicht anfängt, leidenschaftlich über den „Werder-Weg“, die Vision, wo man als Verein hinmöchte anfängt zu erzählen? Finde ich mehr als seltsam. Den Hinweis darauf, dass das alles ja Frank Baumann erklären darf, der seinen „Weg“ vorstellen wird? Katastrophal. Warum? Weil der Eindruck entsteht, dass Bode ahnungslos ist.

Natürlich verstehe ich, dass man Baumann sich selber erklären will. Aber das „Big Picture“ von Werder wird Bode doch wohl zeichnen können. Vielleicht nicht detailliert, aber wenigstens so darstellen, dass man sich Gedanken machen kann, warum man der Meinung war, dass die Zusammenarbeit mit Eichin nicht mehr möglich war. Erschreckendes Bild, was der Aufsichtsratsvorsitzende da abgeht. Da hilft auch alle Eloquenz nichts.

Interessant finde ich auch, dass Bode die Trainerfrage in Richtung Baumann schiebt und ihm die Aufgabe gibt. Interessant deshalb, weil es angeblich in Baumanns Aufgabenbereich fällt (vollkommen richtig), Eichin scheinbar diese Kompetenz nicht hatte (siehe dazu verschiedene Medienberichte, dass der Aufsichtsrat Eichin eingebremst haben soll, Skripnik zu entlassen).

Unwürdig ist diese Aussage in Richtung Viktor Skripniks. Bode lässt Skripnik im Regen stehen und die Presse und die Öffentlichkeit (und auch die „Branche“) weiter über seine Zukunft spekulieren. Gerade jetzt, wo es darum geht, die Kaderplanung anzuleiern, darum, mit Spielern und Beratern zu sprechen, ist es nicht klar, wie es mit Skripnik weitergeht.

Aber ist es das? Meines Erachtens ist man sich schon klar, wie es weitergehen soll (wobei zu hinterfragen ist, wer „man“ ist) – aber egal, wie die Zukunft Skripniks aussieht, hat er es nicht verdient, so im Feuer zu stehen. Und dafür hat Bode mit seiner PK gesorgt. Eine klare Aussage wäre hier angebracht gewesen. Entweder: „wir machen weiter mit Skripnik“ oder „wir machen nicht weiter mit Skripnik“ oder aber auch „ich verbitte mir von Euch, dass Ihr weiter über den Trainer schreibt“ (dass sich das die Presse nicht gefallen lässt, ist klar. Wäre aber mal eine sehr gute Aussage gewesen).

In dieser Pressekonferenz hätte Bode die Chance gehabt, sein Profil zu schärfen. Hat er nicht geschafft. Vielleicht, weil er kein Profil hat? Oder weil er es nicht will? Ich finde es schade, dass Werder und der Aufsichtsrat nicht besser präsentiert hat.

2 Gedanken zu „Der blasse Bode“

  1. Heißt „WERDER-EXIL“ auf Hochdeutsch „ALLES DOOF“?

    Eichin war über seine ganze Amtszeit umstritten, Bode ist eloquent aber auch klug genug, interne Machtgerangel nicht nach außen zu tragen. Hätte er gesagt „Skripnik bleibt!“, wäre klar gewesen, was der Streitpunkt mit Eichin war und gleichzeitig hätte er Baumanns Befugnisse im Voraus beschnitten. Auch wäre es schön, wenn Skripniks Position von einem Außenstehenden neu bewertet wird, Baumann gehörte bisher nicht zur „beschworenen“ Familie!

    1. Wenn Eichin über seine ganze Amtszeit umstritten war und nicht mehr kompatibel war (war er, es wurde trotzdem sein Vertrag im Oktober verlängert), hätte man ihm den Vertrag vor kurzem nicht verlängern müssen, sondern hätte seinen Vertrag jetzt auslaufen lassen – das hätte jeder verstanden. Das Rumgehampel auf der Pressekonferenz war unwürdig und lächerlich.

      Bode und der Aufsichtsrat haben Eichins Befugnisse permanent beschnitten. Er wollte wohl schon mehr als einmal den Trainer entlassen. Durfte er? Nein. Warum hat man wohl an Skripnik so lange festgehalten? Weil der Aufsichtsrat eingeschritten ist. Ist das keine Beschränkung der Befugnisse?

      Warum sollte es nun bei Baumann besser gehen? Ganz einfach, weil Baumann aber sowas von zur „Familie“ gehört. Seit 1999 im Verein, Ehrenspielführer, ehemaliger Mitspieler von Bode (und Skripnik und Frings), Buddy von Lemke. Nach seiner aktiven Karriere direkt bei Werder als Trainee eingestiegen. Er war jetzt mal anderthalb Jahre raus. Das macht einen noch lange nicht zu einem „Aussenstehenden“.

      Und die Art und Weise, wie man ihn geholt hat, ist ein ganz klares Zeichen: Eichin gehört nicht zur Familie, Baumann gehört dazu. Konzept und Plan von Baumann? Kennen wir nicht, aber wir kennen ihn und er weiß, was wir (Aufsichtsrat) von ihm erwarten.

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