Irritation

Skripnik bleibt Trainer. Soweit überrascht diese Personalie an sich ja nun wohl keinen mehr. Am Freitag dann die Gewissheit durch Frank Baumann, dass Skripnik nicht nur Trainer bleibt, sondern dass darüber hinaus auch noch sein Vertrag bis 2019 verlängert werden soll. Für sich genommen ein sehr starkes Signal von Baumann, dass er dem Trainer vertraut. Das Ziel ist klar: jegliche weitere Trainerdiskussion zu vermeiden. Skripnik wird ein bisschen aus dem Fokus der Medien genommen.

Aber wird er das wirklich? Baumann hat in der gleichen Pressekonferenz auch ziemlich deutlich angesprochen, wo Skripnik Defizite hat. In einer Art und Weise, die sehr offen und direkt ist und die man eher mit einer Demission denn mit einer Verlängerung verbindet.

Es wurden Defizite angesprochen, die offensichtlich waren, das ist schon mal gut. Aber die Schlussfolgerung, dass Skripnik der „bestmögliche Trainer für Werder“ sein soll – bei all diesen Defiziten, irritiert mich. Ein Trainer, der es in anderthalb Jahren nicht geschafft hat, eine Mannschaft zu entwickeln soll der bestmögliche Trainer für Werder sein? Ein Trainer, der mit dem wahrscheinlich stärksten Kader der letzten 4 Jahre es schafft, sich 2 Minuten vor Ende der Saison zu retten, soll der bestmögliche Trainer für Werder sein? Kann man so sehen, muss man aber nicht.

Diese Aussage entsetzt mich gelinde gesagt. Überraschend war sie zwar nicht, aber ich finde sie von Grund auf falsch.

Aber mich überrascht etwas anderes: Baumann verknüpft direkt zu Anfang seiner Werder-Tätigkeit sein Schicksal schon fast symbiotisch mit dem von Viktor Skripnik. Er stärkt ihm demonstrativ den Rücken, um jedem zu zeigen, dass Werder vollkommen überzeugt ist von Skripnik. Skripnik wird sich den Kader so zusammen stellen können, wie er es möchte, denn durch die zu erwartenden Verkäufe und dem wirtschaftlichen Ergebnis des letzten Jahres wird Werder investieren können (und müssen). Es wird also ein von Skripnik geprägter Kader werden. Er hat die Unterstützung der Vereinsführung, die Fans sind weitestgehend „auf Linie“. Bessere Voraussetzungen kann er also nicht haben.

Was ist aber, wenn Werder nach dem ersten Drittel der Saison wieder da steht wie letztes Jahr? Wenn automatisch die Trainerdiskussion beginnt? Wenn es sogar bedrohlich wird, weil immer noch keine Entwicklung zu erkennen ist? Wie wird Baumann dann reagieren? Wird er dann den „bestmöglichen Trainer für Werder“ ersetzen? Oder wird noch mal eine Saison volles Risiko gegangen in der Hoffnung, irgendwie dem Tod von der Schippe zu springen, nur, um den ehemaligen Mitspieler und dem Familienmitglied weitere Chancen einzuräumen?

Was ist, wenn Skripnik nicht liefert? Dann müssen zwangsläufig Köpfe rollen. Und ob dann Baumann ohne Schaden aus der Nummer raus kommt? Das wird eine spannende Frage.

Die Weichen des Werder-Wegs mit Skripnik sind gestellt. Die Erwartungshaltungen sind klar formuliert. Ich bin gespannt, ob sie erfüllt werden und wie man sich im Falle des Nichterfüllens die dann eingebrockte Scheiße noch schön redet.

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