Die Trainer-Verlängerung

Dass der Vertrag von Skripnik verlängert werden soll, hatte Baumann ja schon bei seinem Amtsantritt angekündigt. Nun meldet die Bild, dass im Juli verhandelt und der Vertrag bis 2018 verlängert werden soll. Also ein Jahr länger als bisher.

Man könnte jetzt sagen: gut, ist legitim, hat der Trainer eine Baustelle weniger, um die er sich unterbewusst Gedanken machen muss, dann muss er halt nicht mit einem auslaufenden Vertrag im Rucksack in die neue Saison. Kann ich sogar noch etwas nachvollziehen.

Was ich nicht nachvollziehen kann ist, dass man ihm scheinbar auch noch das Gehalt erhöhen will. Das mag bei Vertragsverlängerungen im Fussball Usus sein, aber nur, weil das so ist, heißt es nicht, dass Werder es auch so machen muss. Machen sie aber. Die Familie hält ja zusammen. Und falls man sich doch von Skripnik trennen muss, dann bekommt er wenigstens noch etwas mehr Abfindung als sowieso.

Skripniks Leistungen als Trainer in der abgelaufenen Saison rechtfertigen meines Erachtens weder eine Verlängerung des Vertrags (das hab ich ja schon mal geschrieben) und erst recht nicht eine Aufstockung des Gehaltes. Das Gehalt gilt ja gemeinhin als „Anerkennung der Leistungen“. In der Bewertung seiner Leistung gehen die Meinungen ja deutlich auseinander. Ich finde den aktuellen Stand laut Bild (600.000 EUR zzgl. Prämien) durchaus angemessen für einen Bundesliga-Trainer mit seiner Erfahrung und seinen „Erfolgen“. Da jetzt ohne Not und freiwillig noch etwas drauf zu legen, ist für mich eine absolute Frechheit.

Da Skripnik weiß, dass Bode hinter ihm steht (und der große Teil des Aufsichtsrats auch) und auch Baumann sein „Fan“ ist, ist er in der besten Verhandlungsposition, die man sich vorstellen kann. Hat er sich dies verdient? Ich denke nicht.

Diese Vertragsverlängerung ist mal wieder ein perfektes Beispiel dafür, wie der Werder-Filz alles überstrahlt und wie der Verein als Selbstbedienungsladen von Don Lemke und den anderen Familienmitgliedern ungeniert genutzt wird. Der Werder-Weg ist scheinbar alternativlos

Beschissene Situation

Spox titelt „80% der Spieler gegen Skripnik“. Egal, ob die Zahl stimmt oder was hinter dem Artikel steckt: es scheint sich abzuzeichnen, dass Skripnik in der Mannschaft vielleicht doch nicht den Rückhalt hat, den ein Trainer braucht. Vestergaard und Junuzovic wird nachgesagt, dass sie nicht zuletzt auch wegen Skripnik den Verein verlassen wollen, zum Ende der Saison hieß es, dass die Mannschaft quasi das Training übernommen, die Aufstellung und die Taktik mitbestimmt habe. Dass Felix Kroos in der Presse schon mitgeteilt hat, dass er unter einem Trainer Skripnik nicht zurück kommt, ist eh schmückendes Beiwerk.

Diese Situation ist für den „bestmöglichen Trainer für Werder“ und für Baumann absolut fatal.

Gehen wir einmal davon aus, es stimmt, dass 80% der Spieler gegen Skripnik sind. Dann hat Baumann also gegen den Mehrheitswillen der Mannschaft Skripnik im Amt behalten. Mutig. Jetzt kann man argumentieren, dass die Mannschaft mit dem Trainer arbeiten muss, der von der sportlichen Geschäftsführung (und dem Aufsichtsrat) gewählt wird. Andererseits sorgt es nicht gerade für eine gute Atmosphäre, wenn man mit der Arbeit des „Chefs“ nicht zufrieden und glücklich ist und dementsprechend nicht zu hundert Prozent bei der Sache ist, kann das auf Dauer nicht funktionieren.

Wenn es stimmt, dass wirklich die Mehrzahl der Spieler gegen Skripnik ist, dann geht automatisch auch ein Bruch durch die Mannschaft und die Autorität wird auch untergraben. Eine ganz gefährliche Gemengelage.

Was ist, wenn Werder die ersten Spiele direkt verliert? Dann wird die Diskussion direkt auch sein, ob die Mannschaft gegen den Trainer steht. Eine Aussage von Fritz wie „Die Mannschaft steht geschlossen hinter dem Trainerteam“, die man zum Ende der abgelaufenen Saison glauben konnte, wäre jetzt eher Lüge.

Und wie passt diese Meldung mit der Aussage vom „bestmöglichen Trainer für Werder“ zusammen? Und mit einer geplanten Verlängerung.

Es ist eine weitere Schwächung von Skripnik, des „bestmöglichen Trainers für Werder“. Ich bin gespannt, ob und wann Baumann diese Aussage um die Ohren fliegt.

Skripnik auf jeden Fall, ist nun absolut zum Erfolg verdammt – ohne Wenn und Aber. Verliert Werder und/oder spielt Werder auch noch schlecht, werden von Beginn an die Diskussionen laufen und Unruhe in der Mannschaft sein. Ich sehe in der gesamten Liga keinen anderen Trainer, der in einer so schwachen Situation ist wie Skripnik gerade.

Ob die Entscheidung Baumanns, an Skripnik festzuhalten und sogar seinen Vertrag verlängern zu wollen, wirklich richtig war für Werder, wird sich zeigen.

Johannes bleibt

Die Werder-Meldung des Tages: Johannes Eggestein verlängert bis 2019. Endlich mal eine rundum positive Meldung.

Ich hatte Eichin vorgeworfen, dass er es nicht geschafft hatte, den Vertrag des jungen Eggestein zu verlängern. Zu dem Zeitpunkt sah auch alles danach aus, als ob er den Verein verlassen würde. Eichin hat es zwar nicht geschafft, aber dafür scheint er ordentlich vorgearbeitet zu haben und Baumann scheint jetzt das „Tüpfelchen auf das I“ gesetzt zu haben. Dabei hat der doppelte Klassenerhalt sicher eine Rolle gespielt haben. Das muss man anerkennen, dass Werder die Verlängerung geglückt ist. Well done.

Nun müssen alle Beteiligten allerdings auch liefern: Eggestein muss zeigen, dass er die Anlagen, die er zweifelsohne mitbringt, auch im Profibereich auf den Platz bringen kann. Skripnik (und Nouri) muss zeigen, dass er diesen Spieler zum Profi und weiter besser machen kann und Werder muss zeigen, dass hinter den Worten auch Taten stehen.

Es wird spannend. Eine für die Zukunft wichtige Personalie ist geklärt. Für mich fehlt jetzt als nächstes die Verlängerung von Florian Grillitsch.