Zum Scheitern verurteilt

12, 6, 5, 3, 17, 5. Das sind Werder Bremens Zahlen des Versagens. Seit 12 Liga-Spielen saisonübergreifend ohne Liga-Sieg. Seit 6 Monaten ohne Liga-Sieg. Mit 5 Punkten und 3 geschossenen Toren. Tabellenplatz 17. Der Rückstand an das untere Mittelfeld der Tabelle beträgt schon 5 Zähler. Schon jede einzelne Zahl für sich genommen rechtfertigt die Entlassung von Trainer Alexander Nouri – in der Summe allerdings sind sie beschämend für den gesamten Verein.

Wird jetzt gehandelt? Ja und nein. Nein, weil Nouri noch mindestens eine weitere Partie von seinen Vorgesetzten bekommt; das DFB-Pokalspiele gegen die TSG Hoffenheim am kommenden Mittwoch. Verliert Werder deutlich, dürfte Nouri nicht mehr zu halten sein. Geht die Begegnung glimpflich aus, darf Nouri auch gegen den 1. FC Augsburg am Sonntag danach auf der Bank sitzen. Das ist dann sein Endspiel, das er gewinnen muss. Siegen oder fliegen.

So beraten sich die Verantwortlichen heute und morgen bei internen Sitzungen über Nouris Nachfolge. Die Namen Florian Kohfeldt und Bruno Labbadia sind unter anderem in der Verlosung. Der Plan B wird heute und morgen ausgearbeitet. Den hätte man indes schon vor einem Monat nach dem trostlosen 0:0 beim Hamburger SV haben müssen, aber langsam und zögerlich, wie Werder nun mal tickt, haben sich die Verantwortlichen wie so oft in den letzten Jahren hinter ihrem grün-weißen Mantra der Vereins-Starre verkrochen und taten: Nichts.

Die Werder-Wagenburg hochziehen, sich unterhaken, der Sturm wird schon vorübergehen. Vielleicht gelingt die Wende unter Nouri, vielleicht auch nicht. Vielleicht regnet es auch Punkte vom Himmel. Die Politik des Abwartens vor sich her schiebend, verlor der Klub jedoch wertvolle Zeit, die Punkte kostete. Auf dem Platz besserte sich nichts, denn nach wie vor hält zwar Werders Defensive, aber eine konsequent-torgefährliche Offensive findet nicht statt. So wie beim kümmerlichen 0:0 beim Tabellenletzten 1. FC Köln am vergangenen Sonntag.

Nouri schaffte es nicht, dieses Missstand in den vergangenen vier Monaten zu beheben. Warum sollte er jetzt schaffen? Weil Spielmacher Max Kruse nach sechswöchiger Verletzung wieder aufläuft? Dieses Eis, das Schicksal des Vereins von nur einem Spieler abhängig zu machen, ist dünner als dünnes Eis. Es ist eine Politik, die zum Scheitern verurteilt ist. Ebenso wie das zaudernde Handeln der Verantwortlichen. Der Anschluss wurde verpennt. Ein roter Faden, der sich bei Werder seit sieben Jahren durch den Klub zieht.

Werders Krise ist eine Krise, die vorrangig Noch-Coach Alex Nouri zu verantworten hat. Deshalb gehört er entlassen. Gestern schon und nicht erst morgen. Die wahren Ursachen der sportlichen Misere liegen allerdings eine Etage höher – bei Nouris Vorgesetzten. Die nicht handeln, sich vor Entscheidungen drücken, abwarten von Woche zu Woche, auf Zeit spielen, auf den Zufall hoffen, um sich irgendwie durchzumogeln. Die weder Entschlusskraft noch Kreativität zeigen.

Allein, dass Nachwuchs-Trainer Kohfeldt ernsthaft als Nouri-Nachfolger erwogen wird, ist ein Armutszeugnis. Der Kohfeldt, der als Co-Trainer unter Ex-Coach Viktor Skripnik mit dem Ukrainer bei dessen Entlassung 2016 unterging und der jetzt mit der U23 in der 3. Liga seit zehn Partien auf einen Sieg wartet. Auch eine Verpflichtung in spe von Labbadia zeugt vermeintlich nicht von der Weitsicht von Werders Führungskräften. Denn länger als nur eine Saison arbeitete Labbadia in der Vergangenheit selten erfolgreich bei einem Klub. Seine Verpflichtung wäre offenbar kein langfristiger Plan, sondern vielmehr nur eine kurzfristige Lösung im Abstiegskampf. Erfahren darin ist Labbadia immerhin.

Vielleicht überraschen Werders Verantwortliche aber ja und präsentieren einen neuen, unverbrauchten Trainer, der den Verein und die Mannschaft auf dem Rasen wieder auf Kurs bringt. Oder Nouri schafft doch noch die Wende und die Geduld der Verantwortlichen zahlt sich aus. Beides wäre zu wünschen. Beides ist jedoch auch sehr unrealitisch. Leider.

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