Bankrotterklärung an den Fußball

Das Gute vorweg: Werders außergewöhnliche Pokal-Serie hält. Auch nach 29 Jahren bleiben die Hanseaten im DFB-Pokal im Weserstadion ungeschlagen. Das 1:0 über die TSG Hoffenheim am vergangenen Mittwoch war der zweite Pflichtspielsieg dieser Saison. Aufatmen an der Weser. Und Trainer Alexander Nouri bleibt mindestens bis zum kommenden Sonntag beim Duell gegen den 1. FC Augsburg Werders A-Coach.

Die Art und Weise des Pokalerfolgs war allerdings ernüchternd. Mit einer Sechser-Abwehrkette zwängte Nouri seine Mannschaft in ein defensives Konstrukt, das jeden Offensivdrang im Team hemmte. Folgerichtig fiel der Treffer nach einem Eckball. Es blieb die einzige Torchanche der Norddeutschen im Spiel. Es entstanden keine offensiv zwingende Aktionen, die aus spielerischen Mitteln resultierten. Werders Fußball war eine reine Zerstörungsmaschine. Die Bankrotterklärung an den Fußball. Es tat weh, das zu sehen.

Umso bedenklicher, dass die Bremer vom Grundprinzip ihrer taktischen Ausrichtung bislang in jedem Liga-Spiel so auftraten – gegen Hoffenheim gipfelte diese unansehliche Formation jedoch als Saison-Höhepunkt. Werders Sieg über Hoffenheim war nur purem Glück zu verdanken. Glück, dass die TSG um zwei klare Elfmeter gebracht wurde, die Süddeutschen zweimal die Latte trafen und Werders Torwart Jiri Pavlenka eine erstklassige Leistung lieferte. Der tschechische National-Keeper ist Bremens einziger Leistungsträger in den letzten Wochen. Pavlenka und die extreme defensive Spielweise sind die einzigen Konstanten der Mannschaft. Das ist zu wenig, um erfolgreich zu sein.

Denn mit dieser Spielweise wird Werder absteigen. Sie taugt nicht dazu, aus dem Tabellen-Keller zu kommen. Für diesen destruktiven Fußball wurde Ex-Trainer Robin Dutt vor zwei Jahren an der Weser entlassen. Zu recht. Dafür sollte auch Coach Nouri freigestellt werden, weil er sein Team mit diesem Fußball durch die Liga rumpeln lässt. Aber Nouri darf weiter auf Bewährung arbeiten. Zu verstehen ist das nicht.

Wo will Nouri mit diesem Fußball hin? Wie lauten die Ziele der nächsten Wochen? Was ist das Konzept? Gibt es nur ein defensives oder auch ein offensives? Und wenn ja, wie und wann wird es umgesetzt? Mit welchen Spielern? Das sind Fragen, denen sich Nouri stellen muss. Man kann hoffen, dass er sie von seinen Vorgestzten gestellt bekommt. Wenn nicht, wäre das fahrlässig.

Der größte Fehler wäre nämlich, sich von dem Pokalerfolg blenden zu lassen. Im Prinzip hat sich Werders Situation auf den zweiten Blick nämlich noch verschlimmert. Die extrem defensive Taktik von Nouri war das erste Mal in dieser Spielzeit erfolgreich. Wenn die jetzt für ihn als Blaupause für die kommenden Partien gilt, wird Werder weiter im Tabellenkeller fest sitzen und der Anschluss an das beruhigende Mittelfeld weiter verlieren. Weil man nicht in jeder Partie das Glück vom vergangenen Mittwoch besitzt.

Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann sagte nach dem Pokal-Aus zerknirscht, „dass ich Werder genauso erwartet hatte“. Er meinte damit die konsequent destruktiv-taktische Ausrichtung der Norddeutschen. Nagelsmann muss damit leben, dass seine Mannschaft zu wenige Mittel dagegen fand, um die Begenung zu gewinnen. Dennoch sollte seine Einschätzung als ein Warnsignal für Werder gelten. Nagelsmanns‘ Beurteilung war nämlich keine Wertschätzung des Gegners, sondern das Gegenteil. Und damit hatte Nagelsmann recht.

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